Diesen Satz hören wir von Handwerksmeistern regelmäßig: Ausbilden lohnt sich nicht mehr. Drei Jahre steckt man Zeit und Geld in einen jungen Menschen, und nach der Gesellenprüfung geht er zur Industrie oder zum Betrieb nebenan, der mehr zahlt. Dann lieber gleich eine fertige Fachkraft einstellen.
Wir verstehen den Ärger. Wir halten die Rechnung trotzdem für falsch. Ein Teil davon stimmt allerdings, und den wollen wir nicht verschweigen.
Was die Zahlen sagen
Ein Azubi im Handwerk kostet seinen Betrieb gut 23.000 Euro brutto im Jahr. So steht es in der letzten großen Kostenerhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Rund 70 Prozent davon holt er durch seine Arbeit wieder herein. Netto bleiben etwa 7.700 Euro pro Ausbildungsjahr. Über drei Jahre sind das gut 23.000 Euro.
Eine externe Fachkraft zu gewinnen kostet laut derselben Erhebung im Schnitt 13.700 Euro. Den größten Teil macht die Einarbeitung aus: Schulungen und die Wochen, in denen die neue Kraft noch nicht voll mitarbeitet. Das Bewerbungsverfahren selbst kostet rund 1.600 Euro.
Rein rechnerisch ist die fertige Fachkraft also günstiger. Wer etwas anderes behauptet, rechnet sich die Ausbildung schön.
Der Haken: Sie müssen erst jemanden finden
Die 13.700 Euro gelten nur, wenn sich überhaupt jemand bewirbt. Kleinstbetriebe brauchen laut BIBB im Schnitt 19 Wochen, um eine Fachkraftstelle zu besetzen. Fast fünf Monate, in denen Aufträge liegen bleiben oder Ihre Leute Überstunden machen. Und es wird enger. Bis 2029 müssen in Deutschland über alle Branchen rund 2,48 Millionen Fachkraftstellen neu besetzt werden. Verfügbar sind etwa 1,95 Millionen Menschen mit Berufsabschluss.
Wer im Handwerk eine Fachkraft findet, holt sie meistens aus einem anderen Betrieb. Das geht fast immer über das Gehalt. Das ist für uns der entscheidende Punkt: Wer einmal für mehr Geld gewechselt hat, wechselt beim nächsten Angebot wieder.
[TALENTLE: Eine echte Erfahrung aus einem Kundenbetrieb, z. B. Bäckerei Storz: Wie oft haben sie vorher Gesellen an andere Betriebe verloren?]
Auch eigene Azubis gehen, wenn Sie nichts tun
Selbst ausbilden ist keine Garantie. Ein Jahr nach der Prüfung arbeiten laut BIBB noch 62 Prozent der Absolventen in ihrem Ausbildungsbetrieb. Nach drei Jahren sind es 45 Prozent, nach fünf Jahren 36 Prozent. In Kleinstbetrieben bleibt nach fünf Jahren nur jeder Vierte. Und schon während der Ausbildung springen viele ab: Im Handwerk wurden 2024 knapp 37 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst.
Diese Zahlen sind ernüchternd. Sie zeigen aber auch, worauf es ankommt. Ein Azubi, den Sie selbst ausgebildet haben, kennt Ihre Kunden, Ihre Maschinen und die Art, wie in Ihrem Betrieb gearbeitet wird. Er hat sich für Ihren Betrieb entschieden und nicht für das höchste Angebot. Ob er bleibt, hängt davon ab, wie er sich in den drei Jahren aufgenommen fühlt. Im Betrieb und außerhalb.
Bei Azubis aus dem Ausland sehen wir das besonders deutlich. Sie bauen sich in Ihrer Region ein neues Leben auf, mit Wohnung, Kollegen und Freunden. Deshalb hört unsere Arbeit nicht mit der Einreise auf. Auf Wunsch begleiten wir Betrieb und Azubi bis zur Abschlussprüfung und beraten beide beim Übergang zur Fachkraft. In der Talentle-Community treffen sich unsere Azubis regelmäßig, bei Treffen und gemeinsamen Ausflügen. Von unseren über 80 vermittelten Azubis hat weniger als jeder zehnte die Ausbildung abgebrochen.
[TALENTLE: Falls bekannt: Wie viele eurer Azubis sind nach der Ausbildung im Betrieb geblieben?]

Lehrstellen im Handwerk ohne Bewerber
Für viele Betriebe stellt sich die Frage gar nicht, ob sie ausbilden wollen. Es meldet sich schlicht niemand. 2025 blieben laut Zentralverband des Deutschen Handwerks über 16.000 Lehrstellen im Handwerk leer. In Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern blieben 2024 laut IAB sogar 58 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt.
Schon heute haben 13,8 Prozent der Azubis im Handwerk keinen deutschen Pass. Wir vermitteln Azubis aus Indonesien in Bäckereien, Metallbaubetriebe, Kfz-Werkstätten, Elektro- und Malerbetriebe. Nur etwa jeder fünfte Bewerber besteht unser Auswahlverfahren, und jeder kommt mit einem Deutschzertifikat auf mindestens B1-Niveau. Von der Auswahl bis zur Einreise dauert es etwa drei bis vier Monate. Was das den Betrieb kostet, rechnen wir in einem eigenen Beitrag durch. [Link zu Artikel 2]
Was wir Betrieben raten
Eine fertige Fachkraft einzustellen ist kurzfristig günstiger, wenn Sie eine finden. Wer seinen Betrieb in fünf Jahren noch mit eigenen Leuten führen will, bildet selbst aus. Und kümmert sich darum, dass die Azubis nach der Prüfung bleiben wollen.
Sie haben eine Lehrstelle, auf die sich seit Monaten niemand bewirbt? Dann sprechen Sie mit uns. Das Erstgespräch ist kostenlos.
Quellen